Was verändert sich, wenn eine Annahme kippt? | Selkun Pragel
Welche Annahme müsste sich ändern, damit Ihre Einschätzung eines Unternehmens deutlich anders ausfällt? Szenarien helfen, diese Abhängigkeit offenzulegen: Sie zeigen, wie eine Analyse unter anderen Voraussetzungen aussehen könnte, nicht, was tatsächlich eintreten wird.

Die Annahmen hinter der Einschätzung sichtbar machen
Beginnen Sie mit der Aussage, die Sie prüfen möchten, und zerlegen Sie sie in ihre wesentlichen Treiber. Dazu können etwa die Nachfrage, die Entwicklung der Kosten oder die Fähigkeit eines Unternehmens gehören, Preise durchzusetzen. Halten Sie fest, welcher Zeitraum gemeint ist und welche Bedingungen als gegeben gelten.
Trennen Sie dabei Beobachtungen von Annahmen. Eine veröffentlichte Kennzahl ist nicht dasselbe wie die Erwartung, dass sie sich fortsetzt. Wenn diese Unterscheidung fehlt, wirken Szenarien präziser, als ihre Grundlage tatsächlich ist.
Szenarien auf einer gemeinsamen Grundlage vergleichen
Legen Sie zunächst eine Ausgangsvariante fest und verändern Sie dann gezielt einzelne Annahmen. So wird erkennbar, welcher Treiber die Einschätzung besonders stark beeinflusst. Für ein umfassenderes Szenario können mehrere Änderungen zusammengehören – etwa eine schwächere Nachfrage und zugleich geringere Preissetzungsmacht. Entscheidend ist, dass die Verbindung plausibel begründet ist.
Vergleichen Sie alle Varianten mit denselben Begriffen, Kennzahlen und Zeiträumen. Eine günstige, mittlere und ungünstige Ausprägung sind keine Rangliste möglicher Zukünfte. Sie sind bedingte Denkmodelle: Wenn die jeweiligen Voraussetzungen gelten, verändert sich auch das Ergebnis der Analyse.
Prüfen, welche Hinweise eine Annahme stützen
Fragen Sie für jeden Treiber, worauf die Annahme beruht, wie aktuell die Information ist und ob sie zum betrachteten Unternehmen passt. Ein Branchenwert kann hilfreich sein, muss aber nicht die konkrete Kostenstruktur oder Kundschaft abbilden. Prüfen Sie außerdem, ob eine Änderung Folgewirkungen auslöst, die in der Variante bislang fehlen.
Formulieren Sie schließlich, welche beobachtbaren Hinweise Ihre Einschätzung bestätigen oder infrage stellen würden. Damit werden Szenarien überprüfbar, ohne sie als Vorhersagen auszugeben. Neue Informationen können dann Anlass sein, einzelne Voraussetzungen neu zu bewerten – statt die gesamte Analyse stillschweigend auf einer überholten Grundlage fortzuführen.